Die Kulturlandschaft Bodensee zeigt sich nicht nur in historischen Bauten, sondern auch auf den Speisekarten. So vielfältig wie hier ist einheimische Esskultur selten. Am Bodensee trifft badische auf schwäbische Küche, Strudel aus Österreich begegnet Schweizer Schokolade.
Die Klöster rund um den See haben vor Jahrhunderten Weinbau und Braukunst an den See gebracht. Mit den Kräutern aus dem Klostergarten behandelten die Mönche nicht nur ihre Zipperlein, sondern würzten auch ihr Essen. Solche Traditionen leben bis heute fort. Der See liefert frischen Fisch, die umliegenden Wälder Wild. Obst, Gemüse und Getreide gedeihen im milden Klima, Kühe finden saftige Weiden. Eine kulinarische Idylle, die sich schwarz auf weiß in Mützen, Sternen und Kochlöffeln niederschlägt: Um den Bodensee versammeln sich mehr dieser Auszeichnungen als im Elsass, und das gilt ja gemeinhin als Schlemmerparadies schlechthin.
Doch nicht nur die teuren Luxuslokale, die es hier flächendeckend gibt, machen den Bodensee gastronomisch interessant. Zunehmend finden auch gutbürgerliche Gasthäuser wieder Gefallen an dem, was vor der Haustür wächst, und geben der traditionellen Küche eine leichte, individuelle Note mit frischen Produkten. Auf den Speisekarten stehen hausgemachte Sülzen mit Bratkartoffeln, Gemüseplatten oder zartes Geschnetzeltes. Dünnele und handgeschabte Spätzle schmecken zu jeder Jahreszeit. Spargel und Obst, Wild und deftige Schlachtplatten richten sich nach der Saison.
Fisch ist am See ein Muss, egal ob er als Hechtklößchen, geräuchertes Filet oder im Ganzen auf den Teller kommt. Unbedingt probieren sollten Fischliebhaber den Kretzer. Allerdings herrscht bei diesem Bodenseefisch eine heillose Namensverwirrung. Auf Hochdeutsch handelt es sich um einen Barsch, Kretzer ist die alemannische Bezeichnung. In der Schweiz heißt allerdings nur der ganze Fisch Kretzer, während die ausgelösten Filets Egli genannt werden. Um das Durcheinander komplett zu machen, wird auch auf der deutschen Seite der Begriff Egli verwendet und - man ahnt es schon - hier durchaus auch für den ganzen Fisch. Einigkeit herrscht allerdings rund um den See darüber, dass der Kretzer der beste Seefisch überhaupt ist. Und da Kartoffeln nun einmal besonders gut zu Fisch passen, trifft es sich ausgezeichnet, dass in den sandigen Böden von Duchtlingen ganz in Seenähe die besten Kartoffeln wachsen.
Wer nicht unbedingt warm essen möchte, wird ebenfalls gut bedient. Am See wird gerne und ausgiebig gevespert: Speck, Schwartenmagen, Leberwurst und besonders auf der Schweizer Seite herzhafter Käse, der oft aus einer kleinen Dorfkäserei stammt. Für Kalorienbewusste wächst rund um den See natürlich alles, was zu einem leichten, gemischten Salat gehört. Gerne wird dieser mit einigen Streifen gegrilltem Fleisch oder Fisch veredelt.
Zum Vesper passt ein kühles Bier aus einer der vielen kleinen Brauereien oder ein Most aus Früchten von der Streuobstwiese hinterm Haus. Rund um den See gibt es zahllose Gartenlokale, Biergärten und Terrassen, die all dies und mehr anbieten. Zum Essen, zum gemütlichen Ausklang am Abend und auch am Mittagstisch trinkt man selbstverständlich Bodenseewein. Mancher wagt sich sogar schon beim Frühschoppen an einen guten Tropfen. Schriftliche Quellen belegen, dass bereits im Jahr 860 Wein vom See nach St. Gallen transportiert wurde. Der Bodensee kann zudem mit noch zwei Besonderheiten aufwarten: Er ist die südlichste Weinbaugegend Deutschlands, und am Hohentwiel wird auf 560 m über dem Meeresspiegel der höchste Weinbau in Deutschland betrieben.
Ein Abstecher ins Hinterland kann sich für den Geldbeutel, aber auch gastronomisch lohnen: Zwar ist es wunderbar, auf einer Terrasse am See zu sitzen, doch ein paar Kilometer weg vom Trubel bekommen die Gäste eher einmal Bauernbrot aus dem Holzofen und selbst gebrannten Schnaps - für weniger Geld.
Ob Schweizer Schokolade oder die österreichische Vorliebe für Süßspeisen: Schleckermäuler kommen am Bodensee mit Garantie auf ihre Kalorien. Die Dichte der Eisdielen wird selbst in Italien nicht übertroffen, und in Cafés und Bäckereien darf gesündigt werden. Apfel- oder Zwetschgenkuchen, Sahnetorten, Strudel aus hauchdünnem Teig oder Wähen, mit Obst belegt und einem süßen Guss überzogen, machen den Bodensee zum Fasten völlig ungeeignet.
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Cantina Rabaja
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Papageno
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