Wer sich der Mainau mit dem Schiff nähert, erblickt von weitem das Schloss zwischen dichtem Grün. Vom Festland ist die Insel über eine Brücke erreichbar. Wer schlecht zu Fuß ist, kann mit dem Inselbus vom Festlandparkplatz bis nahe ans Schloss fahren. Mit rund 1,25 Mio. Besuchern im Jahr ist die Mainau die größte und bekannteste Tourismusattraktion am Bodensee.
Die 45 ha große Insel war vor 500 Jahren römische Flottenbasis. Im 8. Jh. gehörte sie zum Kloster Reichenau, anschließend über 500 Jahre dem Deutschen Orden. 1853 erwarb sie Großherzog Friedrich I. als Sommersitz. Er begründete den bis heute erhaltenen Rosengarten, in dem bis zu 20 000 Rosen in 1200 Arten blühen.
Neben einem Spaziergang entlang der riesigen Blumenbeete lohnt das Verweilen im Arboretum mit seinen Mammutbäumen. 500 verschiedene Arten von Laub- und Nadelgehölzen wachsen hier. Bei der »Gläsernen Floristik« können Sie Gärtnern und Floristen über die Schulter schauen.
Wer früh am Morgen oder gegen Abend kommt, erlebt eine andere, ruhige Mainau. Ebenso hat ein Besuch im Herbstnebel oder im Schnee seinen Reiz. Das so genannte Blumenjahr auf der Mainau dauert von Ende März bis Ende Oktober. Ab 16 Uhr halbiert sich während dieser Zeit mit dem »Sonnenuntergangsticket« der Eintritt. Und ab 19 Uhr ist der Eintritt frei, offiziell nur für Besucher des Seeterrassenrestaurants, praktisch aber für jedermann. Dann dürfen Besucher mit dem Fahrrad über die unmittelbar an der Brücke gelegenen Seeterrassen auf die Insel fahren. Außerhalb der Saison sind die Eintrittspreise reduziert, ebenso allerdings die Attraktionen und das gastronomische Angebot.
Radolfzell hat mit winkeligen, engen Gassen sein historisches Erbe bewahrt. Zu Beginn des 9. Jhs. ließ sich Bischof Radolf von Verona hier nieder und baute am Seeufer das erste bescheidene Kirchlein. Im Grienen Winkel, dem ältesten Teil der Stadt, sind liebevoll restaurierte Fischerhäuser zu sehen. In der Fußgängerzone der Altstadt können Sie gut bummeln. Überregional bekannt ist Radolfzell durch die »Mettnaukur« auf der vorgelagerten Halbinsel Mettnau, wo ab 1872 der Dichter Joseph Victor von Scheffel (1826-86) lebte. Für diese Heilung durch Bewegung und das auf Sport zur Vorbeugung setzende Herz-Kreislauf-Training besuchen oft Prominente die Stadt. Im Teilort Möggingen befindet sich im Schloss die Vogelwarte Radolfzell.
Wer nicht mit dem Schiff kommt, erreicht die Insel Reichenau vom Festland über einen Damm. Der von Pappeln gesäumte Weg zur Insel ist Endpunkt der Deutschen Alleenstraße, die auf Rügen beginnt. Nach dem Jahrhunderthochwasser 1999, als der Damm tagelang überflutet war, wurde der Radweg (1,5 km) neben der Straße um 90 cm aufgeschüttet. Er dient nun bei Hochwasser als Notweg. Die 4,5 km lange und 1,5 km breite Insel, die größte im Bodensee, ist von ihrer Geschichte als Kloster- und Gemüseinsel geprägt. Felder und Gewächshäuser, Kirchen und versprengte Siedlungen kennzeichnen die Reichenau, die mit fruchtbarem Boden und ertragreichen Fischgründen ihrem Namen als »Reiche Au« gerecht wird.
Im Jahr 2000 erklärte die Unesco nicht einzelne Bauten, sondern die gesamte Insel als Zeugnis des Mittelalters zum Welterbe. Der Aufschwung der Reichenau begann 724, als der Wanderbischof Pirmin auf der damals unbewohnten Reichenau ein Kloster gründete. An ihn erinnert eine Statue am Damm. Vom 8. bis zum 11. Jh. entwickelte sich die Reichenau zu einem geistigen Zentrum des Abendlands. Im späteren Mittelalter verarmte das Kloster und ein schneller Niedergang folgte. Die drei wichtigsten Kirchen blieben jedoch erhalten. 1757 wurden die letzten Ordensmitglieder vertrieben und das Kloster aufgelöst.
Je nachdem, wie viel Zeit Sie sich für einen Ausflug nach Schaffhausen nehmen möchten und von wo aus Sie starten, können Sie bei dieser Tour verschiedene Routen wählen. Von Konstanz nach Schaffhausen sind es nur 45 km; aber Sie können die Tour durchaus auch zum Tagesausflug ausdehnen.
Besonders schön ist es, dem Rhein zu folgen, daher empfiehlt sich ein Start an der Konstanzer Rheinbrücke. Hier verlässt der Rhein den Obersee und fließt in den Untersee. Am Gottlieber Zoll, im Westen der Konstanzer Innenstadt, überqueren Sie die Grenze zur Schweiz. (Sollten Sie über den Zollhof kommen, fahren Sie nach der Grenze Richtung Tägerwilen.) Die Straße folgt dem Uferverlauf in einigem Abstand. Immer wieder bieten sich Ausblicke auf den See. Wer möchte, kann in Gottlieben, Ermatingen oder Steckborn Zwischenstation einlegen. In Stein am Rhein sollten Sie sich die bunt bemalten Bürgerhäuser ansehen. In dieser Stadt am Westende des Bodensees verlässt der Rhein den See wieder. Von hier aus sind es noch rund 17 km nach Schaffhausen. Zuvor lohnt ein Halt in Diessenhofen. Trotz des mittelalterlichen Stadtbilds ist der Ort nicht überlaufen. Sehenswert ist die fast 200 Jahre alte überdachte Holzbrücke, die über den Rhein nach Gailingen führt.
Die Hauptattraktion in Schaffhausen ist der Rheinfall (Zufahrt und Parkplätze sind ausgeschildert). Die Wassermassen des größten Wasserfalls Mitteleuropas stürzen bei Neuhausen 23 m in die Tiefe. Eine Bootsfahrt (von unten) zu der in der Mitte aufragenden Felsnase ist ungefährlich, aber dennoch ein Abenteuer. Die Altstadt von Schaffhausen ist einen Abstecher wert. Über der Stadt liegt die Festungsanlage Munot aus dem 16. Jh. Für Kulturinteressierte ist das Allerheiligen-Museum im ehemaligen Benediktinerkloster interessant: vor- und frühgeschichtliche Sammlung, Gemälde u. a. von Otto Dix und Ferdinand Hodler, Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst. Die Hallen für neue Kunst präsentieren Kunst seit den 60er-Jahren.
Bodensee-Bildhauer Peter Lenk ist bekannt für spöttische Skulpturen; seine Figuren lösen Heiterkeit, aber auch Ärger aus. Diese »Skulptour« (110 km, halber Tag, auch für Motorradfahrer attraktiv) wird allen Spaß machen, die steinerne Satire schätzen.
Die Reise zu Lenks üppigen Figuren beginnt in Konstanz auf der Laube. Hier, auf dem Mittelstreifen des vierspurigen Konstanzer Altstadtrings, hat er den Autofahrern mit einem »Triumphbogen« ein Denkmal gesetzt: Für Ärger sorgte nach der Enthüllung 1990 ein aus dem Wagen kippender Papst. Katholiken hängten zeitweise ein Kruzifix auf der anderen Straßenseite ab, damit Jesus nicht auf den umstrittenen Brunnen schauen musste. Lassen Sie das Auto noch stehen. Zu Fuß geht es in ein paar Minuten durch die Altstadt zum nahen Hafen, wo sich das wohl berühmteste Lenk-Werk im Kreis dreht: die »Imperia«. Die 18 t schwere und 9 m hohe Figur ist ein Wahrzeichen der Stadt. Die Imperia erinnert an die vielen Huren, die während des Konzils 1414-18 in Konstanz waren. Als kleine Männlein hält sie Papst und Kaiser auf ihren Händen.
Nun geht es mit dem Auto weiter: Wer über die Neue Rheinbrücke fährt, erkennt drei weiße Bürohochhäuser des Unternehmens Océ (Max-Stromeyer-Str. 116). Am neuesten von ihnen lehnt Lenks »Karriereleiter« aus Stein, von der machthungrige Manager stürzen. Raus aus der Stadt folgen Sie den Schildern Richtung Fähre, dann Mainau. An der Inselabfahrt vorbei führt die Landstraße durch die Konstanzer Vororte Litzelstetten, Dettingen und Wallhausen sowie weiter über den Bodanrück, das unter Naturschutz stehende Konstanzer Hinterland mit vielen Wäldern und Wiesen. Fahren Sie Richtung Langenrain und Liggeringen, wo Sie dem Schild Richtung Bodman folgen und die Marienschlucht passieren. In Bodman arbeitet und wohnt Peter Lenk. In seinem Garten stehen zahlreiche Skulpturen. Von Bodman weiter nach Stockach (den Schildern folgen): In der Stadt biegen Sie zur Stadtmitte ab und fahren Richtung Zentrum und Bahnhof, in dessen Nähe die örtliche Sparkasse neben ihrer Hauptstelle ein gewaltiges Lenk-Denkmal hat errichten lassen: Es zeigt auf einem original U-Bootturm den ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping in vierfacher Ausführung, mit Anspielung auf Possen und Skandälchen des Politikers. In der Stockacher Oberstadt thront hoch oben auf dem Giebel eines aufwändig restaurierten Hauses mit Apotheke eine weitere, kleinere Lenk-Figur: Hier ist Justitia zu sehen, wie sie gerade den »Ehrenwortbuben« Helmut Kohl übers Knie legt (Hauptstr. 6).
Die Fahrt verläuft weiter Richtung Lindau/Ludwigshafen. Bald teilt sich die Bundesstraße: Sie können entscheiden, ob Sie die ausgebaute B31neu nutzen oder über die alte Straße am See entlang fahren (dann Richtung Ludwigshafen und Sipplingen einordnen). Schließlich fahren Sie in Überlingen direkt ins Zentrum. Nach dem Kurhaus erreichen Sie den Platz vor der Schiffsanlegestelle (große Bushaltestelle): Auf diesem steht ebenfalls eine Lenk-Skulptur, die den in Überlingen lebenden Schriftsteller Martin Walser zeigt. Zur letzten Station der Tour fahren Sie ab Stockach Richtung Meersburg/Markdorf (zunächst den Schildern Lindau/Nußdorf folgen) an der Wallfahrtskirche Birnau vorbei. Sie können sich erneut entscheiden: entweder am Ufer entlang, an den Uhldinger Pfahlbauten und am Meersburger Fährhafen vorbei, oder auf der B33neu. In Meersburg verbinden sich beide Routen; Ziel ist Markdorf. Hier im Stadtzentrum Richtung Gehrenberg abbiegen und den Anstieg hinauf: Auf der linken Seite liegt das Wirtshaus am Gehrenberg, dessen Innenhof Peter Lenk gestaltet hat. Zurück geht es über Meersburg mit der Fähre nach Konstanz.
Wer an den Bodensee kommt, kann nicht nur am, sondern auch auf dem See Urlaub machen: Eine Fahrt mit der Weißen Flotte ist ein Muss. Mehr als 4,5 Mio. Passagiere zählt die internationale Bodenseeflotte im Jahr. Die Schifffahrtsaison mit täglichem Kursverkehr startet gegen Ende März und dauert meist bis Anfang Oktober, oft wird sie um ein bis zwei Wochen verlängert. Außerhalb der Saison gelten die Nikolausfahrten mit Kinderbescherung an den Adventssonntagen und die Silvesterfahrten als Attraktion.
Die deutsche Bodenseeschifffahrt nahm 1824 mit der Verbindung Friedrichshafen-Rorschach ihren Kursverkehr auf. 2003 verkaufte die Bahn die Weiße Flotte an die Konstanzer Stadtwerke.
Zu den Klassikern unter den Touren zählen die großen Ausflugsfahrten, etwa von Friedrichshafen nach Konstanz und zurück (Fahrtzeit für eine Strecke etwa 1,5 Stunden, einfache Fahrt 7 Euro). Auch wer den gesamten Obersee per Schiff erkunden will, kann dies: Die Fahrt von Bregenz nach Konstanz dauert allerdings fast vier Stunden (11,60 Euro). Die Schiffe tuckern gemächlich, wer auf Action steht, kann sich deshalb rasch langweilen. Zunehmend beliebt sind aus diesem Grund kombinierte Rad-Schiffsausflüge, denn die Weiße Flotte nimmt auch Räder mit. Die Schiffsbetriebe bieten überdies zahlreiche Sonderund Ausflugsfahrten an.
Wer keine Schifffahrt erleben möchte wie alle anderen, kann an Bord der neuen und wachsenden Solarbootflotte ein Stück Zukunft besichtigen: Die Schiffe bedienen am westlichen Bodensee eine wachsende Zahl von Routen, etwa zwischen Gaienhofen und Steckborn sowie Reichenau und Mannenbach. Von der Mainau aus starten Rundfahrten, ebenso von Radolfzell und Kreuzlingen.
Ein Stück Vergangenheit erleben können Sie auf dem letzten Schaufelrad-Dampfschiff des Bodensees: Die 1913 in Dienst gestellte, 56 m lange »Hohentwiel« ist oft auf Charterfahrt, es gibt aber auch Touren für jedermann.
Für diese Rundfahrt durch Oberschwaben empfiehlt sich ein Tag mit Fernsicht. Die Tour lässt sich auch mit dem Rad fahren, allerdings nur für trainierte Fahrer. Es geht beständig auf und ab. Die Strecke ist mit knapp 50 km nicht lang.Wer sämtliche Sehenswürdigkeiten besichtigen will, sollte dennoch einen Tag einplanen.
Ausgangspunkt ist die Kreisstadt Ravensburg. Sie liegt rund 16 km vom See entfernt im Tal der Schussen. Hoch über der Stadt thront die 1088 erstmals erwähnte Veitsburg. Einige Tore und Türme der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind erhalten. Das Wahrzeichen Ravensburgs ist der wegen seines weißen Anstrichs »Mehlsack« genannte Turm über der Stadt. Von hier aus kontrollierten die Bürger ihre adeligen Gegner in der Burg. Die Fahrt geht weiter ins nur 4 km entfernte Weingarten, das vor allem durch sein Benediktinerkloster mit der größten Barockkirche Deutschlands bekannt ist. Von weitem sind die Kuppel und die beiden Westtürme zu sehen. Von hier aus fahren Sie in nordöstlicher Richtung rund 8 km weiter über Baienfurt nach Bergatreute mit einem Barockaltar in der kleinen Wallfahrtskirche Phillippus und Jacobus. Nach weiteren 6 km erreichen Sie den Höhenluftkurort Wolfegg. Für den Aufenthalt sollten Sie ein wenig Zeit einplanen. Hier zeigt der Autojournalist Fritz B. Busch direkt neben dem Schloss seine 200 Oldtimer. Ein kurzer Fußweg führt zur Loreto-Kapelle. Das Bauernhaus- Freilichtmuseum gibt auf einem Rundgang Einblick ins dörfliche Leben der vergangenen drei Jahrhunderte. In der urigen Museumsgaststätte mit Biergarten gibt es Vesper, regionale Küche oder Kaffee und Kuchen. So gestärkt geht die Fahrt auf der Landstraße in südlicher Richtung nach Vogt. Hier biegen Sie rechts ab nach Waldburg (11 km). Zwei Aussichtspunkte bieten eine Rundum-Panoramasicht: zum einen ein auffallend frei stehender Moränenhügel links neben der Straße, zum anderen die Waldburg aus dem 16. Jh. Nun geht die Fahrt 3 km nach Norden bis Neuwaldburg, wo Sie links abbiegen und über Schlier wieder nach Ravensburg fahren.


