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Für Zugereiste herrscht am See eine geradezu babylonische Sprachverwirrung: Die Badener reden Alemannisch, die Württemberger Schwäbisch, am österreichischen Seeufer spricht man anders gefärbt als in Wien oder Salzburg, und in der Schweiz spricht man eben Schwyzerdütsch, das wohlgemerkt hier ganz anders klingt als in Basel oder Bern. Und wenn Sie genau hinhören, merken Sie, dass sich die Mundart sogar im Dorf ein paar Kilometer weiter schon wieder ein wenig anders anhört.
Wenn in Konstanz jemand zum Abschied »Adele« sagt, meint er nicht den Vornamen, sondern den badischen Diminutiv: Der hängt gerne ein »le« an die Wörter, was nicht immer mit der tatsächlichen Größe des bezeichneten Objekts übereinstimmen muss. So kann ein »Hundele« durchaus eine Dogge sein. Wenn der Schwabe ihnen erzählt, er habe sich den Fuß gebrochen, kann dies auch der Oberschenkelhals sein. Denn der schwäbische Fuß reicht von der großen Zehe bis ans Gesäß.
Ein freundliches »Grüezi« mag in der Schweiz gerade noch angehen, wer es aber nur stockend über die Lippen bringt, sollte lieber beim »Guten Tag« bleiben. Wenn der Schweizer einen »Most« bestellt, bekommt er einen Süßmost, also einen Apfelsaft. Wenn er dagegen einen vergorenen Apfelmost haben möchte, bestellt er sich einen »Saft«. Sprachverwirrung eben.
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Mit der Bodensee-Erlebniskarte stehen einem die Türen von etwa 190 Attraktionen und Sehenswürdigkeiten am See offen - ohne noch einmal zu zahlen. Die Karte ist eine der besten und erfolgreichsten Tourismusideen der vergangenen Jahre. Denn bei den Urlaubern stieg der Frust, bei Ausflügen täglich mehrfach hohen Eintritt zahlen zu müssen. Mit der Erlebniskarte zahlen sie nur noch einmal, und nach ein paar Ausflügen hat sich die Karte gerechnet.
In der Karte enthalten sind unter anderem Stadtführungen, unbegrenztes Fahren mit der Weißen Flotte, der Eintritt für Mainau und Sea-Life-Aquarium, die Tickets für Säntis- und Pfänderbahn sowie 13 weitere Bergbahnen, der Eintritt in viele Museen und in über 40 Bäder. Und das jeweils beliebig oft. Die Karte gilt rund um den See.
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Für alle, die die schwäbisch-alemannische Fasnacht nicht kennen, das Wichtigste zuerst: auf keinen Fall nach dem »Fasching« oder gar »Karneval« fragen! Die fünfte Jahreszeit heißt hier Fasnacht, Fastnacht, Fasnet oder auch Faßnacht und unterscheidet sich, zumindest nach Auffassung der Beteiligten, grundlegend vom rheinischen Karneval. Hochburg ist Konstanz. Es kommt aufs Mitmachen an. In närrisch geschmückten Lokalen, zu Wirtschaften umfunktionierten Garagen oder einfach auf der Straße: Narren überall. Ob beim Bäcker um die Ecke oder in der Bank: Sie werden am Schmutzigen Dunnschtig (der wichtigste Tag der Fasnacht, Donnerstag vor Rosenmontag) von einem »Hästräger«, also einem Kostümierten, bedient. Die Geschäfte schließen spätestens am Nachmittag, damit jeder mitfeiern kann. Auch am Rosenmontag und am Fasnachtsdienstag ist nicht sicher, dass alles seinen gewohnten Gang geht. Jede Stadt hat ihre eigenen Narrenzünfte mit unterschiedlichen Verkleidungen, teilweise Furcht erregende Gesellen mit geschnitzten Holzmasken. Ansonsten verkleidet sich hier jeder, wie er will.
Ein besonderes Spektakel sind die Hemdglonkerumzüge: Durch die mit bunten Bändern geschmückten Gassen der Konstanzer Altstadt zieht am Abend eine in weiße Nachthemden und Schlafhauben gewandete Schülerschar, die mit alten Topfdeckeln oder Rätschen ein Höllenspektakel veranstaltet. Schüler tragen Transparente, auf denen die Lehrer verulkt werden. Fanfarenzüge spielen. Überregionale Aufmerksamkeit genießt das Stockacher Narrengericht, vor das jedes Jahr Politprominenz geladen wird.
Das schweizerische Ermatingen ist für seine Groppenfasnacht bekannt, in deren Mittelpunkt die Groppe steht, ein häufiger Fisch im See. Hier wird erst drei Wochen vor Ostern gefeiert, wenn andernorts längst Fastenzeit ist. Das Ereignis geht angeblich auf die Zeit des Konstanzer Konzils zurück: Johannes, einer der drei Päpste im Machtkampf, floh verkleidet nach Ermatingen, dort wurde er mit Groppen verpflegt. Als Dank erhielten die Ermatinger diesen Spezialfeiertag.
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Rund 170 Fischer leben am Bodensee vom Fang der Flossentiere und versorgen die lokalen Märkte und Restaurants mit Delikatessen. Die Hauptfangzeit liegt zwischen Januar und Oktober. Damit der Bedarf gedeckt werden kann, muss der Natur ein wenig auf die Sprünge geholfen werden: Was schließlich schmackhaft zubereitet auf dem Teller landet, hat seinen Lebensweg meist als Retortenbaby begonnen. Die Fischer sorgen beim Fang für die künstliche Befruchtung und liefern den Laich in einer der sieben Fischbrutanstalten ab. Hier wird er ausgebrütet und die kleinen Fischlein so lange aufgepäppelt, bis sie zum weiteren Heranwachsen in den See entlassen werden können: Felchen, Hecht, Saibling und Forelle werden so gezüchtet.
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Wem gehört der Bodensee? Den Anrainerstaaten, das ist klar. Doch wo genau die Staatsgrenzen verlaufen, ist bis heute ungeklärt. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind sich nicht einig, ob der See internationales Gewässer ist oder ob die Grenze in der Seemitte verläuft, womit das Recht des jeweiligen Staates bis genau zu dieser Linie gelten würde. Die Österreicher haben zur bestehenden Verwirrung noch eine dritte Theorie beigesteuert, die besagt, dass der See bis zum Ende der jeweiligen Flachwasserzone zum entsprechenden Uferstaat gehört, die tiefe Seemitte jedoch allen gemeinsam. Trotz ungeklärter Rechtsverhältnisse lebt man am Bodensee mit dem Durcheinander problemlos. Nachdem die Schifffahrt sich erfolgreich dagegen gewehrt hat, auf die Gewinne aus der Bewirtung auf dem See Mehrwertsteuer zu bezahlen, ist das größte Problem sowieso gelöst. Denn wie käme man dazu, jemandem Steuern zu zahlen, dem der See gar nicht gehört. Noch dazu, wo Verträge aus dem 19. Jh. Steuerfreiheit zusichern.
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Wer sich als Gast nicht nur für die touristischen Reize der Region interessiert, sollte die Universität Konstanz besuchen. Über dem See gelegen, ist der Ende der 60er-Jahre errichtete Campus Beispiel für moderne Betonarchitektur. Die 2002 modernisierte Mensa bietet auch Nichtstudenten Essen zu günstigen Preisen und dazu einen der schönsten Blicke auf Bodensee und Mainau. Bundesweit einmalig ist der 24-Stunden-Betrieb der Uni-Bibliothek, die mit Ausnahme der Monate August und September rund um die Uhr geöffnet hat (Mo-Fr). Über 2 Mio. Bücher sind frei zugänglich. Für Kunstfreunde bietet die Universität über 50-mal auf dem Campus »Kunst am Bau«, darunter auf dem Parkdeck Süd einen Porsche aus Beton. (Ein Kunstführer ist am Uni-Kiosk und im örtlichen Buchhandel erhältlich.)
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»Heimatdichter« ist er sicherlich nicht, auch wenn der See, an dem der Schriftsteller 1927 geboren wurde, sein Leben und sein Werk geprägt hat. Als Kind eines Gastwirts wuchs er in Wasserburg auf, sein erster Kontakt mit der Literatur waren die Bücher von Karl May aus der Nonnenhorner Pfarrbibliothek. Heute lebt Walser in Nußdorf bei Überlingen. Seine Romanfiguren sind Angehörige der Mittelschicht, Menschen, wie sie in seiner Nachbarschaft am See leben. Walser wurde mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
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Mit Friedrichshafen, Dornbirn und St. Gallen gibt es in der Bodenseeregion drei Messestädte. Das 2002 eröffnete Messegelände in Friedrichshafen ist derzeit das größte in Baden-Württemberg. Da sich die Messe auf Sport- und Freizeitmessen spezialisiert hat, ist auch für Urlauber die ein oder andere Veranstaltung interessant: So zeigt die »Eurobike« das Neueste vom Fahrradmarkt, die »Interboot« präsentiert Wasserfahrzeuge. Auch in Dornbirn gibt es Messen, die für Urlauber Unterhaltungswert haben, etwa die »Art Bodensee« mit bildender Kunst der Bodenseeregion. St. Gallen ist der Messeplatz in der Ostschweiz. Auf dem Programm stehen u. a. eine Antiquitäten- und eine Campingmesse, eine Pferdeschau und die Schweizer Spielwarenmesse.
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Die Bodenseeregion gilt als eines der artenreichsten Gebiete Europas. Am Nordrand der Alpen und vom Seeklima begünstigt, leben in der naturnahen Kulturlandschaft im Lauf des Jahres 350 Vogelarten. Viele Zugvögel unterbrechen am See ihre Reise. Insgesamt rasten und überwintern hier jedes Jahr rund 250 000 Wasservögel. Der Steinadler kommt aus den nahen Bergen zum Brüten. Wegen seiner Größe und Tiefe wird der nährstoffarme Obersee von Prachttauchern und Meeresenten bevorzugt. Der flache, nährstoffreichere Untersee dagegen gibt mit seinem Schilfgürtel mehr Vögeln eine Heimat. Besonders gut lassen sich die Zugvögel im Oktober beobachten. Die Pflanzenwelt entfaltet jedoch im Frühjahr ihre Pracht: Im Mai blühen Obstwiesen und Iris. Mediterrane Pflanzen wachsen am See ebenso wie solche aus Bergen und Steppen. Sie können Orchideen und Enzian entdecken und im Uferkies das seltene Bodenseevergissmeinnicht.
© Marco Polo