Steigenberger Hotel Sanssouci
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Entdecken Sie Potsdam!

Potsdam, die einstige Sommerresidenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser, besitzt heute den größten Park- und Schlosskomplex nördlich der Alpen. Die Bundesgartenschau 2001 bescherte der Stadt noch einen weiteren Park. Der bildet eine gute Alternative zu den historischen Grünanlagen, über die die Unesco die Hand hält. Denn in dem neuen Volkspark Potsdam ist all das erlaubt, was in den anderen Parks verboten ist, nämlich Inlineskaten, Fahrradfahren, auf dem Rasen toben und Musik machen.

Vom Schloss Sanssouci (im Winter vom Stadtschloss aus) lenkte Friedrich II. die Geschicke des Staates. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern und Nachfolgern war für ihn Potsdam und nicht Berlin Wohn- und Regierungssitz. »Sans souci« (Deutsch: ohne Sorge) steht unter der mit grüner Patina bedeckten Schlosskuppel. Dieses Motto war jedoch mehr ein frommer Wunsch des Königs. Die Nachbarn aber sollten es glauben, und so entstand nach dem Siebenjährigen Krieg das Neue Palais. Als sichtbares Siegeszeichen war es gedacht, eine »Fanfaronade« (Prahlerei) nannte es Friedrich II. in kluger Selbsteinschätzung.

Für Kunst, Musik und Literatur war der König aufgeschlossen, deshalb verdanken wir ihm das Schlosstheater im Neuen Palais, eine der schönsten deutschen Spielstätten des Rokoko. Friedrich II. bevorzugte dabei die ausländischen Künste, im Schlosstheater durften nur französische Schauspiele und italienische Opern aufgeführt werden. »Kein Deutscher ist vermögend genug«, äußerte er, »was Sinnreiches oder Gutes zu schreiben, noch weniger ein deutscher Komödiant auf der Bühne etwas Vernünftiges vorzustellen!« Das war immerhin zu einer Zeit, als Johann Wolfgang von Goethe mit »Götz von Berlichingen« Beifallsstürme erlebte und ebenso Gotthold Ephraim Lessing mit seiner »Minna von Barnhelm«.

Potsdam ist eine Stadt, die sich schon immer multikulturell gegeben hat. So war man offen für die Architektur vieler Länder - für den Baumeister Johann Boumann aus Holland und Jean Laurent Legeay aus Frankreich. Viele europäische Stile wurden kopiert: Sie werden in Potsdam Bauten aus England, der Türkei und Ägypten finden. Vor allem aber gibt es eine Menge Ähnlichkeiten mit der italienischen und französischen Architektur. Auch China fehlt nicht, denn zum Rokoko - dem Zeitalter der Chinoiserien - gehörte der Zauber des Exotischen.

Ihr Gutes hatten auch die Beziehungen zu Russland, die auf verwandtschaftlichen Bindungen beruhten, denn sie bescherten Potsdam die Russische Kolonie Alexandrowka. Der Zar schenkte dem Preußenkönig russische Sänger, und der ließ für die zwölf letzten von ihnen eine Siedlung im russischen Stil errichten. Wie ein Freilichtmuseum zeigen sich die bilderbuchhaften Holzhäuser. Mancher Tourist soll schon durch ein offen stehendes Hoftor spaziert sein, um sich im Haus bei der verdutzten Familie zu erkundigen, wo denn die Kasse sei und gleich der Rundgang beginne.

Durch die Heirat des Kurfürsten 1651 mit Luise Henriette aus dem Hause Oranien waren Bindungen nach Holland entstanden. Mit Hochachtung (und wohl auch etwas Neid) schaute man auf das wirtschaftlich blühende Land. Wie könnten fleißige Holländer nach Potsdam gelockt werden? Am besten wohl mit einer Siedlung, in der sie sich heimisch fühlen. Und so entstand das Holländische Viertel. Zu DDR-Zeiten wurde es arg vernachlässigt. Mittlerweile sehen große Teile schon wieder so gepflegt wie in einer holländischen Kleinstadt aus.

Die meisten kommen nach Potsdam der Schlösser und Parks wegen. Doch die Stadt hat mehr zu bieten und deshalb bewirbt sich Potsdam für 2010 mit weiteren 15 deutschen Städten als Kulturhauptstadt Europas. Zu den Attraktionen von Potsdam gehört beispielsweise die Filmstadt Babelsberg. Die legendäre Ufa drehte hier Filme, die Generationen begeisterte. In dem heutigen Potsdamer Vorort entstanden 1929 der erste vollständige deutsche Tonfilm »Melodie des Herzens« mit Willy Fritsch und 1941 der erste abendfüllende deutsche Farbfilm »Frauen sind doch bessere Diplomaten« mit Marika Rökk. Ab 1946 drehte die Defa (später das Staatsfilmunternehmen der DDR) in Babelsberg. Zu den Stars gehörten die bald auch im Westen bekannten Regisseure Frank Beyer, Heiner Carow, Konrad Wolf und die Schauspieler Annekathrin Bürger, Angelica Domröse, Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden in den Babelsberger Ateliers rund 1200 Kino- und Fernsehfilme. Zu den jüngsten Produktionen auf dem großen Filmgelände zählt der Anfang 2005 in den Kinos gestartete Streifen »Vom Suchen und Finden der Liebe« unter der Regie von Helmut Dietl mit Anke Engelke, Uwe Ochsenknecht und Harald Schmidt in den Hauptrollen.

Ein Spaziergang durch Potsdam ist ein Spaziergang durch preußische und deutsche Geschichte. Die Havelstadt galt als Symbol für den preußisch-deutschen Militarismus, der der Welt nichts Gutes bescherte: Am Abend des 1. August 1914 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. an seinem Schreibtisch im Neuen Palais die Verkündigung des Kriegszustandes. Vier Jahre später sprach er von »Schicksal« und flüchtete in das holländische Doorn. Am 21. März 1933 dann, dem »Tag von Potsdam«, wurde in der Hof- und Garnisonkirche Adolf Hitler mit großem militärischem Pomp als Reichskanzler vereidigt, zwölf Jahre später flog die britische Royal Air Force einen Angriff auf Potsdam. 490 Flugzeuge warfen am 14. April 1945 rund 1750 Tonnen Sprengstoff auf die Innenstadt. Wenige Wochen später wurde in Potsdam sogar Weltgeschichte geschrieben! Harry S. Truman, Clement Attlee und Joseph W. Stalin trafen sich im Schloss Cecilienhof. An einem runden Verhandlungstisch (eigens dafür in Moskau hergestellt und noch heute zu sehen) beschlossen sie die europäische Nachkriegsordnung, das »Potsdamer Abkommen«.

Der britische Heeresbericht meldete nach dem Bombenangriff 1945: »Potsdam besteht nicht mehr.« Doch Potsdam konnte nicht ausgelöscht werden, auch wenn die traditionsreiche Hof- und Garnisonkirche und das schöne Stadtschloss zerstört wurden. Die von den Bomben schwer getroffenen Bauwerke mochten die DDR-Machthaber nicht wieder aufbauen. In einem Akt politischer und kultureller Barbarei ließen sie beide Bauwerke schleifen, um den »militärischen Geist von Potsdam« symbolisch auszulöschen.

Seit der Einheit gibt es heftige Debatten über den Wiederaufbau des Stadtschlosses und der Garnisonkirche. Denn die Potsdamer wollen ihre Stadt schöner machen. Der Stadtkanal ist teilweise schon wieder rekonstruiert, das Schloss Babelsberg soll spätestens 2007 in alter Schönheit erstrahlen. Und bis zum Jahr 2014 - so haben die Stadtverordneten beschlossen - wird Potsdam sein altes Zentrum zurückbekommen - weit gehend dem historischen Stadtgrundriss folgend.

Von zahlreichen Aussichtstürmen aus haben Sie einen fabelhaften Blick auf die Stadt. Die Hohenzollern ließen sich in Potsdam gleich mehrere Türme errichten, vielleicht deshalb, weil Könige und Kaiser gern von oben auf ihre Landsleute, auf ihren Besitz herabschauen. Ob Sie auf den Turm des Orangerieschlosses klettern, auf das Belvedere des Pfingstbergs oder auf den Normannischen Turm des Ruinenbergs, gewiss werden Sie Friedrich II. zustimmen, der 1758 über Potsdam geäußert haben soll: »Wenn Sie diese Stadt sehen, wird sie Ihnen gefallen.«

Hätte es diesen Friedrich nicht gegeben, wären wir wohl um das großartige Potsdamer Park- und Schlossensemble ärmer. Die Potsdamer sind deshalb stolz auf ihren Friedrich und wollten ihn nach der Einheit rasch zu sich holen. Begraben werden wollte er neben seinem Lieblingsschloss an der Seite seiner geliebten Windspiele, doch sein letzter Wille wurde nicht befolgt. Der König aller Preußen neben Hunden! Der Sarkophag kam in die Hof- und Garnisonkirche, 1945 trat er eine Odyssee an, die auf der Stammburg der Hohenzollern in Hechingen endete. Anlässlich seines 205. Todestages 1991 kehrte Friedrich II. nach Potsdam zurück und wurde seinem Wunsch entsprechend begraben.

© Marco Polo
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