Eine traditionelle Ruhrgebietsküche suchen Sie im Ruhrpott vergebens. Das Gebiet liegt zwischen dem Rheinland, dem historischen Durchzugsgebiet der Völkerwanderungen, und dem Westfälischen, das seit jeher mit landwirtschaftlichen Erträgen in Fülle aufwarten konnte. Die Bruchlandschaft entlang der Emscher im nördlichen Ruhrgebiet war hingegen nicht mit allzu vielen oberirdischen Bodenschätzen gesegnet. Letztlich haben die Menschen, die von überall her in diese Region strömten, mit ihren Essgewohnheiten und Vorlieben eine Art kulinarischen Flickenteppich geschaffen.
Der »Pott«, der Schmelztiegel der Kulturen, bietet Handfestes, nichts hier wirkt gekünstelt. Die ersten Einwanderer, die vornehmlich aus dem Osten Europas kamen, brachten deftige Gerichte mit preisgünstigen Zutaten mit. So gut wie immer gehörten Kartoffeln als Beilage dazu - gekocht oder gebraten, püriert oder als Salat. Viele Gerichte waren Eintöpfe oder Suppen - von der Schnibbelbohnensuppe bis zur Graupensuppe mit Einlage. Eine regionale Küche mit Spezialitätenrestaurants hat sich daraus nicht entwickelt. Der Bergarbeiter aß zu Hause mit der Familie, und in den Kneipen gab es meist nur das, was zum Bier passte: Frikadellen mit Kartoffelsalat.
Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich im Ruhrgebiet eine Restaurantkultur entwickelt, denn heute geht man hier genau wie anderswo auch gerne aus, um zu speisen. Das Angebot ist mittlerweile - zumindest in den großen Städten des Reviers - genauso breit gefächert wie in anderen Metropolregionen.
Typisch für das Ruhrgebiet und auch besonders stark ausgeprägt ist der Hang zur Fastfood-Kultur: An jeder Ecke findet man einen Imbisswagen, einen Bratwurstgrill, eine Frittenschmiede, eine kleine Bude mit Leckereien, die man schnell im Stehen zu sich nimmt.
Imbiss
Die Currywurst: Sie wird heiß geliebt, extra scharf gegessen, und selbst ein Lied ist nach ihr benannt: Herbert Grönemeyer, berühmter Sohn des Ruhrgebiets aus Bochum, hat der kultigen Wurst eine Hymne gewidmet, die bis heute Bestand hat. Die Wurst ist so kultig, dass es sogar einen »Frittenführer« gibt: Der kleine Führer weist den Weg zu den besten Pommesbuden im Pott. Zum Beispiel zum »Profi-Grill« von Raimund Ostendorp an der Bochumer Straße in Bochum-Wattenscheid. Hier serviert der ehemalige Drei-Sterne-Koch Currywurst mit Pommes an selbst gemachter Sauce und genießt dabei sichtlich den direkten Kontakt zu seinen Kunden - vom Sozialhilfeempfänger bis zum Millionär.
Trattorien und Restaurants
Erst durch die Zuwanderung der Italiener in den 60er-Jahren hat sich im Ruhrgebiet die Speisekarte erweitert. Heute finden Sie in jeder Straße eine einfache Stehpizzeria, die meist auch einen lukrativen Bringdienst betreibt. Konjunktur haben in den letzten Jahren die edlen italienischen Restaurants, die hausgemachte Teigspezialitäten, ausgesuchte Weine und andere Köstlichkeiten aus »bella Italia« anbieten. Geradezu überlaufen sind italienische Lokale, die den traditionsreichen Trattorien nachempfunden sind und in schönem Ambiente Anspruchsvolles für den kleinen Hunger servieren, denn auf diesem Sektor hat das Ruhrgebiet noch viel nachzuholen.
Wie es sich für einen »melting pot« wie das Ruhrgebiet gehört, treffen hier die verschiedensten Kulturen aufeinander. Arabische, japanische, spanische oder russische Köche verzaubern die Ruhrgebietszungen mit kulinarischen Köstlichkeiten. In diesen Lokalen muss man oft lange im Voraus einen Tisch reservieren. Der allerneueste Trend sind zeitlos-international gestylte Edelrestaurants, die all diese Einflüsse mischen und unter dem Label »One-World-Food« oder »Fusion-Food« kulinarische Kreationen anbieten. Auch hat sich in den letzten Jahren eine ausgezeichnete türkische Restaurantszene entwickelt, die ein Angebot für alle die bereithält, die die feinere türkische Küche suchen. Frische Zubereitung der abwechslungsreichen Speisen mit starken anatolischen Zitaten steht dabei an erster Stelle.
Wie gesagt: Eine regionale Küche gibt es im Ruhrgebiet nicht. Was in einigen gutbürgerlichen Restaurants angeboten wird, sind entweder westfälische oder rheinische Klassiker - deftige Hausmannskost, die vorzugsweise in ländlich gelegenen Lokalen auf den Tisch kommt. Dazu gehören Gerichte wie Blutwurst mit Stampfkartoffeln, Bratwurst mit dicken Bohnen oder Stielmus mit Speck. Gelegentlich findet man auch schmackhafte moderne Varianten dieser klassischen Gerichte.
Getränke
Auch wenn es im Ruhrgebiet keine Hopfenstöcke gibt - die hiesigen Brauer wissen sehr gut, wo in Bayern der beste Hopfen wächst, und der wird dann im Revier verarbeitet. In nahezu jeder Stadt gibt es eine kleine Privatbrauerei. Es gibt sogar eine touristische Thementour mit dem Titel »Brot, Korn und Bier«, die zu den wichtigsten historischen Produktionsstätten im Revier führt. Einige Brauereien schenken ihr Bier auch in eigenen Brauhäusern aus. In der Kneipe um die Ecke wird das Bier oftmals noch sehr günstig angeboten und vielfach als »Gedeck« bestellt: ein Pils und ein klarer Schnaps.
Ein Tipp für alle, die gut und günstig essen wollen: Die Bochumer Straße ist vielleicht nicht die erste Adresse der Stadt, sie zeigt sich jedoch einfach und international. Gegenüber vom Wissenschaftspark Rheinelbe bietet ein kleines türkisches Lokal den besten Lammspieß weit und breit, auf der gleichen Straßenseite ein paar Schritte weiter sollte man die gute spanische Küche im Maritima genießen. Im weiteren Straßenverlauf warten noch ein Chinese, ein Grieche und natürlich die reviertypische Pommesbude.


